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Publiziert am: 21.10.2026

Behindertensession 2026: auch blinde Menschen brauchen eine Stimme in der Politik

Heute Mittwoch findet im Nationalrat die zweite Behindertensession statt. Die Teilnehmenden formulierten in vier Kommissionen je vier Petitionen, die sie an das Parlament und den Bundesrat überweisen. Auch blinde und sehbehinderte Menschen nehmen teil – für den sbv ein wichtiges Zeichen für mehr politische Teilhabe von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.

Ausschnitt des Nationalratssaals mit einigen der Teilnehmenden an der Behindertensession 2023

Gruppenfoto aus der vergangenen Behindertensession 2023. Bildquelle: sbv

Rund 22 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben mit einer Behinderung. Ihr Recht auf Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben ist in der UNO-Behindertenrechtskonvention verankert. Dennoch stossen Menschen mit Behinderungen beim Zugang zu politischen Ämtern und bei der politischen Mitwirkung weiterhin auf Hindernisse. Um die politische Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu stärken, organisierte Pro Infirmis heute zum zweiten Mal eine Behindertensession im Nationalrat. Die 44 in einem Online-Voting gewählten Parlamentarier und Parlamentarierinnen mit einer Behinderung erarbeiteten in vier Kommissionen konkrete politische Forderungen. Sie formulierten Petitionen zu den Themen Zugänglichkeit, Information und Mobilität, Bildung, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Freizeit und Kultur, Gesundheit, Recht und politische Teilhabe. Darunter zum Beispiel die Petition «Barrierefreie Mobilität im öffentlichen Verkehr». Diese verlangt unter anderem, dass die Barrierefreiheit über die gesamte Reisekette hinweg gemessen und umgesetzt wird – seit Jahren ein zentrales Anliegen von Menschen mit Sehbehinderungen.

Für mehr Mitsprache von blinden und sehbehinderten Menschen

An der Behindertensession nehmen auch blinde und sehbehinderte Menschen teil – eine Personengruppe, die bisher in der nationalen Politik gar nicht vertreten ist. Unter den Teilnehmenden ist auch Clémence Bachmann, Physik-Doktorandin und Mitglied der sbv-Sektion Waadt. «Ich engagiere mich für eine Gesellschaft, in der Freiheit nicht von Einschränkungen abhängt, sondern von den eigenen Entscheidungen», sagt sie.

Die Anliegen von blinden und sehbehinderten Personen werden an der Behindertensession insgesamt von sechs Teilnehmenden aus sechs Kantonen vertreten:

  • Clémence Bachmann, VD
  • Pascal Baumann, SG
  • Sunita Beffa, ZG
  • Cyril Mizrahi, GE
  • Annelies Katrin Müller, BE
  • Bea Stadler, LU

Für ein autonomes Leben und für mehr politische Teilhabe von Menschen mit Sehbehinderungen setzt sich auch der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband sbv ein. «Unser Leitspruch ist: Nichts über uns ohne uns», erklärt Kannarath Meystre, Geschäftsleiter des sbv. «Menschen mit Sehbehinderungen wollen die Politik aktiv mitgestalten. Dafür braucht es zugängliche Informationen, barrierefreie politische Prozesse und die Bereitschaft, ihre Erfahrungen und Kompetenzen einzubeziehen.»

Der Verband will deshalb eine Kampagne lancieren, um den Zugang zu politischen Ämtern zu fördern. Er motiviert blinde und sehbehinderte Menschen, sich zu bewerben, und unterstützt entsprechende Kandidaturen. Gleichzeitig verlangt der sbv, dass alle blinden und sehbehinderten Menschen ihr Wahl- und Stimmrecht selbständig ausüben können. Dazu braucht es eine Möglichkeit, elektronisch abzustimmen und zu wählen, was bis heute nicht vollständig der Fall ist.