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Publiziert am: 09.04.2026

Arbeiten in der Blindekuh

Seit 26 Jahren führt die Blindekuh in Zürich ihre Gäste in völlige Dunkelheit und macht Essen zu einem besonderen Erlebnis. Möglich wird das durch blinde und sehbehinderte Mitarbeitende, die die Gäste begleiten und den Service übernehmen. Für diese spannende Aufgabe werden weitere Servicekräfte gesucht. Mitarbeiterin Noemie gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Am Abend ist der Eingang des Restaurants Blindekuh beleuchtet. Über der Tür steht „Blindekuh – mehr als ein Restaurant“.

Bildquelle: Blindekuh

Die Blindekuh entführt seit 26 Jahren neugierige Gäste aus aller Welt ins Dunkle. Sehbehinderte und blinde Mitarbeitende ermöglichen dieses besondere Gastro-Erlebnis in Zürich. Sie bewegen sich routiniert im völlig abgedunkelten Restaurant und sind sichere Anlaufstellen für die tafelnde Kundschaft.

Besondere Momente gestalten

Die 26-jährige Noemi Hofmann gehört zu den Mitarbeiter:innen, die an sechs Abenden pro Woche im weltweit ersten Dunkelrestaurant die Gäste bedienen. Gerne erinnert sie sich an einen speziellen Moment: «Ich bediente ein Paar. Nach dem Dessert machte der Mann der Frau einen Heiratsantrag. Sie nahm an.» Natürlich geschah auch dies in völliger Dunkelheit, denn im Gastraum im Zürcher Seefeld sind jegliche Lichtquellen unerwünscht.

Arbeiten ohne Licht

Noemi Hofmann hat an der Fachhochschule ein Studium in Sozialer Arbeit absolviert und ist hauptberuflich als Sozialarbeiterin tätig. Einen Abend pro Woche widmet sich die stark sehbehinderte Noemi den Gästen im Dunkelrestaurant. «Der Teilzeit- Job ist schön, aber auch herausfordernd. Man muss mit sehr unterschiedlichen Leuten umgehen können.»

Im eigentlichen Restaurant arbeiten ausschliesslich blinde und sehbehinderte Mitarbeitende. Sie holen die Gäste an der Reception (im Hellen) ab und führen sie zum reservierten Tisch. «Ich rate meinen Gästen, Geschirr, Besteck und Gläser langsam von der Tischkante her zu ertasten und keinesfalls aufzustehen, ohne mich zu rufen.» Grund: Die Gäste könnten den Serviceleuten in die Quere kommen, die sich an genau vorgeschriebene Wege zwischen Essensausgabe, Bar und Tischen halten.

Mitarbeitenden hören sich gegenseitig

«Bin ich im Restaurant unterwegs, spreche ich immer ‘Service, Service’ vor mich hin, damit mich meine Kolleginnen und Kollegen wahrnehmen», so Noemi Hofman. «Pro Abend bediene ich bis zu 25 Gäste. Ich kann ja keine Bestellungen notieren. Deshalb frage ich beim Service immer, welcher Gast welches Gericht kriegt.»

Ist das Restaurant ausgebucht, kümmern sich drei Servicemitarbeitende um die Kundschaft, eine Fachkraft steht an der Bar und übernimmt die Getränkeausgabe. «Fahre ich spätabends im Zug nach Hause, so bin ich jeweils müde», bilanziert Noemi Hofmann. «Es ist ein schönes Gefühl, vielen Menschen eine Freude und ein besonderes Erlebnis bereitet zu haben.»

Dieser Text ist bereits in unserem Verbandsmagazin «Augenblick» 1/2026 erschienen.

Die Blindekuh sucht Servicemitarbeitende

Sind Sie blind oder sehbehindert und möchten in einem aussergewöhnlichen Umfeld arbeiten? Die Blindekuh freut sich über motivierte neue Servicemitarbeitende – auch ohne Gastro-Erfahrung.

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