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Publiziert am: 07.04.2026

«Ein gut strukturierter Alltag ist zentral»– Interview mit unserem LPF-Berater Felix Opel

Seit neun Jahren begleitet sbv-Mitarbeiter Felix Opel als Fachexperte für Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) sowie Orientierung und Mobilität (O&M) blinde und sehbehinderte Menschen auf ihrem Weg zu mehr Autonomie. Ein Gespräch über selbstständiges Wohnen mit einer Sehbehinderung.

In einer gut beleuchteten Küche schneidet eine junge blinde Frau mit geneigtem Kopf Gemüse unter dem aufmerksamen Blick ihres LPF-Beraters.

Bildquelle: sbv fsa

Wie unterstützt die LPF-Beratung blinde und sehbehinderte Menschen beim selbstständigen Wohnen?

Der Verlust des Sehvermögens verändert den Alltag oft grundlegend. Tätigkeiten, die zuvor selbstverständlich waren, können plötzlich zur Herausforderung werden. In LPF-Beratungen erarbeite ich gemeinsam mit den Klient:innen individuelle Strategien und Lösungen, damit sie ihren Alltag weiterhin selbstbestimmt gestalten und aktiv daran teilhaben können.

Welche Strategien helfen, um sich in der eigenen Wohnung sicher zu bewegen?

Ein gut strukturierter Alltag ist zentral. Wer Gegenstände konsequent am gleichen Ort ablegt, reduziert Stolperfallen deutlich. Je nach Lebenssituation – etwa mit kleinen Kindern – ist das einfacher oder anspruchsvoller umzusetzen. Wichtig sind zudem Raumerkundung und das Erlernen von Körperschutztechniken, die im Fachbereich Orientierung und Mobilität vertieft vermittelt werden.

Wie lassen sich Räume barrierearm gestalten?

Markante Orientierungspunkte wie eine klare Möbelanordnung, Teppiche oder Bodenmarkierungen erleichtern die Navigation. Auch ein durchdachtes Beleuchtungskonzept kann je nach vorhandenem Sehvermögen entscheidend sein. Hier arbeiten LPF, O&M und Low-Vision-Fachpersonen eng zusammen, um individuelle Lösungen zu entwickeln.

Welche Hilfsmittel und Haushaltsgeräte sind besonders hilfreich?

Geräte mit taktilen Bedienelementen oder Sprachausgabe, etwa Herde, Waschmaschinen oder Backöfen, bieten grosse Unterstützung. Ergänzend kommen Hilfsmittel wie sprechende Küchenwaagen oder Messbecher mit tastbaren Skalen zum Einsatz. Touch-Oberflächen lassen sich oft mit Markierungspunkten oder Folien nachrüsten. Grenzen zeigen sich dort, wo komplexe Menüebenen nicht taktil erfassbar sind, beispielsweise ein besonderes Backofenprogramm für Ofengemüse oder Pizza.

Wie lassen sich Risiken beim Kochen minimieren?

Bei LPF-Beratungen wird direkt in der eigenen Küche geübt: Schneiden, Abmessen, der Umgang mit Hitze und Geräten. Durch strukturierte Abläufe, erlernte Techniken sowie Tipps und Tricks lassen sich Verbrennungen und Schnittverletzungen deutlich reduzieren oder vermeiden.

Wie gelingt Ordnung in Küche und Haushalt?

Ein durchdachtes Ordnungssystem ist entscheidend, zum Beispiel auch im Kühlschrank. Beschriftungen in Braille oder Reliefschrift unterstützen die Orientierung im Ordnungssystem. Struktur hilft ebenso, zum Beispiel beim Putzen: Bei klar abgegrenzten Flächen kann die Mäandertechnik (schlangenförmiges Wischen) sinnvoll sein. Für gewisse Tätigkeiten ist jedoch visuelle Kontrolle hilfreich oder notwendig. Hier können Assistenzpersonen oder technische Hilfsmittel wie Staubsaugerroboter entlasten.

Wie können blinde und sehbehinderte Menschen Reinigungs- und Haushaltsaufgaben organisieren, damit nichts vergessen geht?

Wochenpläne helfen, Aufgaben systematisch zu erfassen und Überlastung zu vermeiden. Nicht alles muss an einem Tag erledigt werden. Wenn bestimmte Arbeiten nicht selbstständig möglich sind, werden gemeinsam mit der Sozialarbeit passende Unterstützungsangebote wie Assistenzpersonen gesucht.

Welche Strategien helfen, Kleidung, Medikamente oder wichtige Gegenstände sicher und eindeutig zu organisieren?

Auch hier bewährt sich ein klares Ordnungssystem mit Beschriftungen, Etikettierhilfen oder Farberkennungsgeräten. Zusätzlich können Apps wie Seeing AI, Be My Eyes oder der Gemini-Livemodus unterstützen, indem sie Gegenstände beschreiben oder Informationen zugänglich machen.

Wie können Angehörige unterstützen, ohne die Selbstständigkeit einzuschränken?

Der Schlüssel ist die Kommunikation. Gemeinsam Themen an- und besprechen, Lösungsmöglichkeiten suchen, nicht alle Aufgaben abnehmen, motivieren, auf Beratungsstellen zu gehen, um die Selbstständigkeit zu fördern. Und ganz wichtig: die Gegenstände nach dem Ordnungssystem immer am gleichen Ort verstauen.

Dieser Text ist bereits in unserem Verbandsmagazin «Augenblick» 1/2026 erschienen.

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