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Publiziert am: 26.06.2026

Klang gewordene Emotion

Der sehbehinderte Musiker Loris Mittaz ist das neue Ausnahmetalent der Schweizer Kunstszene. Diesen Sommer entführt er uns an verschiedenen Festivals in sein betörendes Universum «Black Out».

Loris Mittaz steht mit geschlossenen Augen frontal zur Kamera. Er trägt einen dunklen Hut. Beleuchtet wird nur die Augenpartie; der Rest seines Oberkörpers ist dunkel.

Bildquelle: Samuel Devantéry

Jeans, Hoodie, kurze Haare und erster Bartflaum: Ein junger, lebenshungriger Mann streift mit seinem Blindenführhund Anis durch Crans-Montana. Der 25-Jährige kommt gerade aus einer der renommierten Rehakliniken auf dem Hochplateau, wo er als medizinischer Masseur tätig ist. Doch Loris brennt für eine ganz andere Leidenschaft, die ihn mitreisst und ganz in Beschlag nimmt: die Musik!

Vom Fussballplatz ans Klavier

Als begeisterter Fussballspieler und Torhüter bemerkte Loris irgendwann, dass er den Ball nicht mehr auf sich zukommen sah. Mit neun Jahren begann er auf Rat seiner Eltern mit Klavierunterricht. Er lernte mit vergrösserten Notenblättern, bis seine Lehrerin das Ausmass seiner Sehbeeinträchtigung erkannte und begann, ihn nach Gehör spielen zu lassen. Als er mit 16 Jahren die Schule für Jazz und zeitgenössische Musik (EJMA) besuchte, änderte sich alles. Sein Lehrer brachte ihm die Musik spielerisch nahe und eröffnete ihm die grenzenlose Welt der Improvisation und ihrer Gesetze. Es war eine Offenbarung. Loris erkannte, dass er «seine eigenen Sachen machen» und Standards neu interpretieren konnte. Der Funke war übergesprungen, und nichts konnte ihn mehr aufhalten!

Loris Mittaz sitzt mit geschlossenen Augen und lachend vor einem Flügel. Sein Oberkörper spiegelt sich im Deckel des Instruments. Dabei trägt er einen dunkelblauen Hut und einen weissen Hoodie.

Bildquelle: Samuel Devantéry

Ins Erhabene vordringen

Wer erinnert sich nicht an den Film «Ziemlich beste Freunde» von 2011 und die unvergesslichen Melodien von Ludovico Einaudi? Nach dem Kinobesuch war Loris zutiefst berührt und sagte zu seiner Mutter: «Genau das will ich auch!» Seine heutigen Improvisationen und seine Alben «Atom» und «Black Out» atmen harmonische Reinheit und berühren uns in unserer tiefen Menschlichkeit. Loris’ melodische Bekenntnisse folgen einem zeitgenössischen Neoklassizismus. Sein Publikum spürt diese Zurückhaltung, die Emotionen und Aufwallungen durchschimmern lässt und seine Pop-Rock-, Klassik- und Volksmusikwelten widerspiegelt. Am Verbier Festival für klassische Musik bot Loris einem gebannten Publikum eine meisterhafte Improvisation, inspiriert von Walliser Melodien. Danach trat er zum Abschluss der Fernsehgedenkfeier nach dem Drama von Crans-Montana in Martigny auf: «Ich musste das alles rauslassen und dachte mir, wenn meine Musik ein oder zwei Menschen trösten kann …» Es war ein intensiver Moment, bei dem ihm fast die Beine wegsackten: «Ich sagte mir, wenn ich dort spielen kann, kann ich überall spielen.»

Dieser Text ist bereits in unserem Verbandsmagazin «Augenblick» 02/2026 erschienen.

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